Max Uhlig . Schwarzfeuwerwerk

19.07. - 14.09.2024

„Ich habe vierzig Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass Schwarz die Königin der Farben ist.“
Henri Matisse

Seit nun mehr als sechs Jahrzehnten zieht Max Uhlig, der 1937 in Dresden geborene und vielfach ausgezeichnete Maler, Zeichner und Druckgrafiker, seine Linien. Ohne Unterlass und Spannungsverluste haben sie ihm bis heute ihre Treue gehalten. Seine Linien behaupteten sich, auch gegen Widerstände. Kraftvoll überspannen sie Zeiten großer Zweiteilungen: Bis 1989 wurde Uhlig vor allem als nonkonformistischer Vertreter der Kunst in Ostdeutschland wahrgenommen, heute hat er sich als prägender Klassiker der gesamtdeutschen Kunstlandschaft etabliert.
In den 1960er-Jahren entwickelte Uhlig für sich jene Bildsprache, die für ihn verbindlich wurde und die bis heute nichts an Ausdruckskraft verloren hat. Uhlig löste sich von der traditionellen Idee, dass eine Linie reine Kontur sein müsse. Vornehmlich mit der Linie, deren ebenso autonomen wie abstrahierenden Eigenwert er in den Vordergrund rückte, geht der Künstler seit jenen frühen Jahren der Welt an ihre Substanz. Der Linien-Poet Uhlig malt und zeichnet das, was vor ihm liegt – eine weite Landschaft, knorrige Weinstöcke, ein menschliches Gesicht – nicht ab; die Motive durchleben vielmehr reduzierende Verwandlungsprozesse, in denen die Welt als Echo nachklingt, sich in Pinsel- oder Kohlestrichen neu übersetzt wiederfindet. Uhligs Linien beschreiben nicht, sie umschreiben; und dabei bedient er sich seit seinen Anfängen in höchster Konzentration wie Konsequenz der Farbe Schwarz, jener harten Farbe also, der gerade in der Kunst seit 1945 verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt wird; man denke an Positionen wie Julius Bissier, Hans Hartung, Pierre Soulages oder Fritz Winter.
Uhligs Zeichnungen und druckgrafische Arbeiten sind nachgerade eine Hommage an die Farbe Schwarz, und sie machen zugleich sichtbar, wie unendlich reich und tief diese oft unterschätzte Farbe ist. Schwarze Linien sind es, die bei Uhlig eben jenen künstlerisch-geistigen Raum vermessen, in dem sich die Ideen des Informel, des Abstrakten Expressionismus und der Figuration vereinen. Immer wieder aufs Neue provoziert Uhlig den Gegensatz zwischen weißem Grund und schwarzer Farbe: Aus schwarzen Liniengespinsten, die er auf Japanpapier oder Bütten sich überkreuzend aufbaut, schauen uns Gesichter entgegen, breiten sich weite Landschaften aus. Jedes seiner Blätter entzündet ein Schwarzfeuerwerk, in dem die Königin der Farben in zeitloser Beständigkeit zu leuchten beginnt.

Dr. Sören Fischer
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern